Thema: Persönlichkeitsstörung

F6 Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen
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Abb. 10 Graphische Übersicht zum Abschnitt F6
entnommen aus dem Buch: "ICD-10 Computer-Tutorial: psychische Störungen" von C.P. Malchow, R.-D. Kanitz und H. Dilling (Herausgeber), Verlag Hans Huber; Bern-Göttingen-Toronto-Seattle, 1995

Definition der Persönlichkeitsstörung

Zu Beginn dieses Kapitels steht eine allgemeine Definition von Persönlichkeitsstörungen, die auf jede der zehn spezifischen Formen von Persönlichkeitsstörungen zutrifft. Eine Persönlichkeitsstörung stellt ein überdauerndes Muster von innerem Erleben und Verhalten dar, das merklich von den Erwartungen der soziokulturellen Umgebung abweicht, tiefgreifend und unfievibel ist, seinen Beginn in der Adoleszenz oder im frühen Erwachsenenalter hat, im Zeitverlauf stabil ist und zu Leid oder Beeinträchtigungen führt. Die einzelnen Persönlichkeitsstörungen, die dieses Kapitel umfaßt, werden im folgenden aufgelistet:
-    Bei der Paranoiden Persönlichkeitsstörung findet sich ein Muster von Mißtrauen und Argwohn und zwar in dem Sinne, daß die Motive anderer als böswillig ausgelegt werden.
-    Bei der Schizoiden Persönlichkeitsstörung findet sich ein Muster von Distanziertheit in sozialen Beziehungen und von eingeschränkter Bandbreite emotionaler Ausdrucksmöglichkeiten.
-    Bei der Schizotypischen Persönlichkeitsstörung findet sich ein Muster von starkem Unbehagen in nahen Beziehungen, von Verzerrungen des Denkens und der Wahrnehmung und von Eigentümlichkeiten des Verhaltens.
-    Bei der Antisozialen Persönlichkeitsstörung findet sich ein   Muster von Mißachtung und Verletzung der Rechte anderer.
-    Bei der Borderline Persönlichkeitsstörung findet sich ein Muster von Instabilität in zwischenmenschlichen Beziehungen, im Selbstbild und in den Affekten sowie von deutlicher Impulsivität.
-    Bei der Histrionischen Persönlichkeitsstörung findet sich ein Muster von übermäßiger Emotionalität und von Heischen nach Aufmerksamkeit.
-    Bei der Narzißtischen Persönlichkeitsstörung findet sich ein Muster von Großartigkeitsgefühlen, einem Bedürfnis nach Bewundertwerden sowie mangelnder Empathie.
-    Bei der Vermeidend-Selbstunsicheren Persönlichkeitsstörung findet sich ein Muster von sozialer Hemmung, Unzulänglichkeitsgefühlen und Überempfindlichkeit gegenüber negativer Bewertung.
-    Bei der Dependenten Persönlichkeitsstörung findet sich ein Muster von unterwürfigem und anklammerndem Verhalten, das in Beziehung zu einem übermäßigen Bedürfnis nach Umsorgtwerden steht.
-    Bei der Zwanghaften Persönlichkeitsstörung findet sich ein Muster von ständiger Beschäftigung mit Ordnung, Perfektionismus und Kontrolle.
-    Die Nicht Näher Bezeichnete Persönlichkeitsstörung ist für zwei Situationen vorgesehen:
1.    Das gegebene Persönlichkeitsmuster erfüllt die allgemeinen Kriterien einer Persönlichkeitsstörung und weist Persönlichkeitszüge mehrerer verschiedener Formen auf, die Kriterien irgendeiner spezifischen Persönlichkeitsstörung sind jedoch nicht erfüllt.
2.    Das gegebene Persönlichkeitsmuster erfüllt die allgemeinen Kriterien einer Persönlichkeitsstörung, die in Frage kommende spezifische Form ist jedoch nicht in die Klassifikation aufgenommen (z. B. die passiv-aggressive Persönlichkeitsstörung).

Die Persönlichkeitsstörungen sind auf der Basis von deskriptiven Ähnlichkeiten in drei Hauptgruppen (Cluster) geordnet. Das Cluster A enthält die Paranoide, die Schizoide und die Schizotypische Persönlichkeitsstörung. Personen mit diesen Störungen erscheinen oft als sonderbar oder exzentrisch. Cluster B beinhaltet die Antisoziale, die Borderline, die Histrionische und die Narzißtische Persönlichkeitsstörung. Personen mit diesen Störungen erscheinen oft als dramatisch, emotional oder launisch. Cluster C beinhaltet die Vermeidend-Selbstunsichere, die Dependente und die Zwanghafte Persönlichkeitsstörung. Personen mit diesen Störungen erscheinen oft ängstlich oder furchtsam. Zu beachten ist, daß die Einteilung in Cluster trotz ihrer Nützlichkeit für einige Forschungs- und Lehrfragen erhebliche Einschränkungen aufweist und nicht übereinstimmend validiert wurde. Darüber hinaus weisen Personen häufig Persönlichkeitsstörungen aus mehreren Clustern auf

entnommen aus "Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen DSM-IV" von H. Saß, H.-U. Wittchen und M. Zaudig, erschienen bei Hogrefe, Göttingen-Bern-Toronto-Seattle 1996