Thema: Suizid und Krisenintervention

Suizidalität

aus: "Wer vom Suizid redet, handelt nicht? Ein großer Irrtum" Medizin - Ärzte Zeitung
der Text wurde gekürzt und modifiziert

Einschätzung der Suizidalität - Kernfragen

- Äußert ein Patient Suizidgedanken? Wie häufig sind die Gedanken, wie konkret? Haben sie Zwangscharakter? Sind bereits Vorbereitungen getroffen, etwa Medikamente gehortet worden?
- Sind familiäre, berufliche und religiöse Bindung vorhanden, die ja vor einem Suizid schützen können?
- Sind schon früher Suizidversuche unternommen worden?
- Hat es im sozialen Umfeld Suizide gegeben? (Bei Jugendlichen etwa hat es nach den Erfahrungen des Psychiaters eine "enorme Sogwirkung", wenn sich ein Popstar etwa das Leben genommen hat)
- Sind Lösungsmöglichkeiten für aktuelle Konflikte erkennbar? (Beispiel: das Zusammenleben mit dem Partner ist unerträglich geworden, ein Leben ohne diesen Partner erscheint jedoch ebenso unerträglich zu sein.
- Hat sich ein Patient aus der Gemeinschaft zurückgezogen? ("Der soziale Rückzug ist ein ganz gefährlicher Indikator für einen drohenden Suizid," sagte Müller Spahn.
- Gehört ein Patient einer Risikogruppe an? (Das größte Suizidrisiko haben nach Angaben von Müller-Spahn ältere Männer mit chronischen Erkrankungen, deren Lebenspartnerinnen gerade gestorben sind.

Bei der Einschätzung der Suizidalität können mehrere Fehler auftreten (nach Müller-Spahn):
- Suizidgedanken und -absichten werden nicht angesprochen
- Die Fähigkeit eines Patienten, mit dem Arzt ein Anti-Suizid-Bündnis einzugehen, wird überschätzt. Es gibt eben Patienten, die ihre Steuerungsfähigkeit verloren haben, sich an ein Bündnis nicht halten können.
- Die Atmosphäre zwischen Arzt und Patient ist gereizt, was zum Beispiel in Kliniken vorkommt, wenn ein Patient erneut wegen eines Suizidversuches eingeliefert wird. (Müller-Spahn: "Da kann es schon mal vorkommen, daß ein Kollege in seiner Verärgerung denkt, mein Gott, der schafft es aber auch nicht."
- Mangelnde Zeit für ein Gespräch
- Rasche Stimmungswechsel eines Patienten mit schweren Depression werden falsch interpretiert. (Beispiel: Ein Patient wird wegen schwerer Depressionen seit mehreren Wochen stationär behandelt und gibt plötzlich an, es gehe ihm so gut, daß er entlassen werden könne. Müller-Spahn: "Das sind die Patienten, die dann am Abend tot sein können.")
- Das Suizidrisiko, wird unterschätzt, etwa mit der Aussage, wer davon spricht, handelt nicht. Wer das erlebt, fühlt sich nicht ernstgenommen und begeht dann vielleicht aus einer Art Trotz Suizid.

Eine wichtige Entscheidung: Ist eine Klinikeinweisung notwendig?
Gründe für die Einweisung:
- soziale Integration und ambulante Betreuungsmöglichkeit fehlen
- akute Psychosen und Depressionen mit psychotischen Symptomen
- fehlende Bündnisfähigkeit
- eine zusätzliche organische Erkrankung, wegen der der Patient behandelt werden muß

Fragen:
Welche Bedeutung hat Suizidalität?
Wie kann man Suizidprophylaxe sinnvoll betreiben?
Welche Personen sind besonders suizidgefährdet?

Krisenintervention

link: www.platane19.de Verein zur Wiedereingliederung psychisch Kranker Service, Integration und Dienstleistung gGmbH zur Wiedereingliederung psychisch Kranker